Projekte 3. Quartal 2017

Das Danzigporträt und Danziger Stadtansichten in der Kunstkritik von Willi Drost (1892-1964)

Termin:           8. Juni 2017, 19.00 Uhr, Westpreußisches Landesmuseum
Referentin:      Wioleta Pienkowska-Kmiecik M.A.

Dieser Vortrag stellt Danzig in der Vedutenmalerei dar, die im 17. und 18. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichte und in Danzig sogar bis in die Zeit von 1900 bis 1945 hineinreichte. Die Quellen hierfür lassen sich in der Wirkung der deutschen Kunstuniversitäten in München, Dresden und Berlin suchen, an denen die jungen Danziger Maler studierten und zudem Studienreisen nach Deutschland und Frankreich unternahmen. Mit dieser besonderen Stadtdokumentation in der Malerei aus den Werken berühmter Danziger Künstler befasste sich der bekannte Danziger Kunsthistoriker Willi Drost, der während der Zwischenkriegszeit in Pommern tätig war. Seine Veröffentlichungen und Kritiken erschienen in den 30er- und 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts in Danzig, Berlin und Leipzig und Drosts Artikel über die verschiedenen Kunstströmungen wurden in der lokalen Presse veröffentlicht.

Unter den Malern, die dank Willi Drost einen Platz in der Kunstgeschichte erhielten, befinden sich Berthold Hellingrath (1877-1954), Paul Dannowsky (1890-1943), Fritz Heidingsfeld (1907-1972), Fritz August Pfuhle (1878-1969) und Bruno Paetsch (1891-1975).

Wioleta Pienkowska-Kmiecik ist Kunsthistorikerin, ihr Fachgebiet umfasst die Danziger Malerei im 19. und 20. Jahrhundert. Sie ist Autorin einer Publikation über die Künstler Berthold Hellingrath, Fritz August Pfuhle, die in Pommern tätig waren und kuratierte unter anderem Ausstellungen zu Berthold Hellingrath, Janusz Uklejewski und die Ausstellung „100 Jahre Schöpfung in Danzig 1850-1950“. In den Jahren 1996 bis 2011 arbeitete sie im Historischen Museum der Stadt Danzig, 2011 bis 2014 im archäologischen Museum in Danzig und Zoppot. Aktuell ist sie Beamtin in der Kulturabteilung der Woiwodschaft Pommern.Wioleta Pienkowska-Kmiecik ist Mitglied in der Kunsthistorikergesellschaft, erfahrene Museumsmitarbeiterin und Kulturbeamte.

Dieser Vortrag findet anlässlich der Ausstellung „Danziger Kunst des 19. Jahrhunderts“ im Westpreußischen Landesmuseum statt.



Wilhelm August Stryowski: Ein herausragender Danziger Maler. Vortrag zu Ehren seins
100. Todestages mit Ausstellung in Danzig

Termin:           14. September 2017, 19.00 Uhr, Westpreußisches Landesmuseum
1. November 2017, 19.00 Uhr, Nationalmuseum der Stadt Danzig
Referentin:      Magdalena Oxfort M.A., Kulturreferentin für Westpreußen

Dieser Vortrag soll den Zuhörern das Schaffen und die Persönlichkeit dieses Malers näher bringen, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine unglaublich große Rolle im Kunstleben Danzigs spielte. Seine Wirkung in den Künstlerkreisen spiegelte sich in Halbeuropa in den Werken seiner Schüler und Freunde in Berlin, Bremen, Breslau, Posen, Stettin bis hin zu Königsberg und Lemberg wieder. Mit seiner Person ist aber auch ohne Zweifel die Geschichte des Danziger Nationalmuseums verknüpft. Als angesehener Maler und Kunstsammler brachte er um das Jahr 1860 ein Atelier im Souterrain des ruinösen Franziskanerklosters unter. Dort wurde schon eine Arbeitsstätte des mit ihm befreundeten Bildhauers Rudolf Freitag eingerichtet, der seit Jahren sich konsequent um die Übergabe des verlassenen Gebäudes für Museumszwecke bemühte. 1872 wurden die langjährigen Bemühungen der zwei Künstler belohnt, sodass das lang erwartete Stadtmuseum eröffnet werden konnte. Im Laufe der Zeit übergab Stryowski den größten Teil seiner Sammlung dem Museum, das nicht nur für die Stadt, sondern auch für die ganze Region sehr bedeutend war.

Zu diesem Termin ist auch die ehemalige Kustodin des Nationalmuseums Danzig, Marta Goralska eingeladen, die sich intensiv mit dem Oeuvre Stryowskis beschäftigt und dieses zum Schwerpunkt ihrer Forschung gemacht hat. In jahrelangem Austausch habe ich mit ihr diesen Vortrag erarbeitet, der nun dem breiten Publikum vorgestellt werden soll. In einem weiteren Schritt soll auf Initiative durch den Direktor des Nationalmuseums der Stadt Danzig und in Kooperation mit ihm die Persönlichkeit Stryowski eingehender erforscht werden sodass die Resultate daraus in Form einer Publikation und einer internationalen Ausstellung in Deutschland und Polen dem breiten Publikum über die Grenzen hinaus vermittelt werden können.

Zusätzlich wird es eine in ihrem Umfang noch nie dagewesene Ausstellung zu Wilhelm August Stryowskis Gesamtwerk zu sehen geben.



Weihnachtsausstellung und Weihnachtsmarkt 2017 im Westpreußischen
Landesmuseum und in der Stadt Warendorf (mehrere kulturelle Projekte).
Termin (Ausstellung): November – 31. Dezember 2017
Termin (Markt):          9. Dezember und 10. Dezember 2017, 11.00 – 15.00 Uhr

Nachdem 2016 der altbewährte „Ostdeutsche Weihnachtsmarkt“ Premiere in den Räumlichkeiten des Franziskanerklosters Warendorf feierte und ein großer Erfolg war, werden die Landsmannschaften nochmals anlässlich dieser Veranstaltung des Kulturreferates für Westpreußen, Posener Land, Mittelpolen, Wolhynien und Galizien adventliche Spezialitäten und Feinkost wie Brotaufstriche, Kuchen, Gebäck und Getränke aus Schlesien, Pommern und Westpreußen anbieten und traditionell-weihnachtliches Kunsthandwerk, darunter auch Klöppelarbeiten und andere Erinnerungen aus ihrer Heimat anbieten. Darüber hinaus soll der Ostdeutsche Weihnachtsmarkt mit westpreußischen und kaschubischen Weihnachtsliedern musikalisch und festlich bereichert werden.

Von November bis Ende Dezember 2017 wird im Sonderausstellungsbereich des Museums erneut eine Ausstellung zu sehen sein, die Weihnachts- und Neujahrsbräuche aus ganz Westpreußen thematisieren wird. Zusätzlich sollen kunstgewerbliche Objekte wie Krippen, Baumschmuck, Besteck und Trinkgefäße die Präsentation komplettieren. Im Rahmen dieser Ausstellung sollen auch einige der Objekte des Westpreußischen Landesmuseums nach dem Prinzip des gegenseitigen Austausches in der Ostdeutschen Heimatstube des Stadtmuseums Gernsheim in einer Präsentation des Bundes der Vertriebenen gezeigt werden.



Grenzübergreifende Projekte mit Partnerinstitutionen aus Polen : Mai – Dezember 2017

Wissenschaftliche Untersuchungen und Präsentation der Münzsammlung des
Westpreußischen Landesmuseums in Warendorf und in Westpreußen eine grenzüberschreitende, wissenschaftliche Tagung in Danzig.

Termin:                       16. bis 19. Mai 2017
Projektleitung:            Magdalena Oxfort, M.A.
Dr. Dipl. Ing. Tomasz Olkowski, Kunsthistoriker und Experte für Numismatik und Waffenkunde am Nationalmuseum der Stadt Danzig

In Danzig zur Zeit der damaligen Republik Polen prägte man jahrhundertelang in der wichtigsten Einrichtung der Münzprägung wertvolle Unikate. In der Danziger Münzprägestätte wurden viele verschiedene Umlaufmünzen u. a. Donativmünzen sowie erstklassige Medaillen gefertigt. Dort beschäftigte man herausragende Medaillenhersteller, die nach Danzig aus Westeuropa übersiedelten. Darunter müssen Samuel Ammon, Sebastian Dadler sowie Jan Höhn (Vater und Sohn) erwähnt werden. Dank ihnen entstanden wunderschöne Werke der Medaillenkunst, die nicht nur in Polen, sondern auch europaweit geschätzt wurden. Die Donativmünzen und die Danziger Medaillen tauchten in vielen Münzsammlungen auf. Es handelt sich hierbei sowohl um private als auch museale Sammlungen. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg befand sich in Danzig eine große Münzsammlung, die bis heute nicht erhalten blieb. Gegenwärtig versucht das Historische Museum der Stadt Danzig (MHMG) die damalige Pracht der Sammlung der Danziger Münzen wieder herzustellen. Hierfür wurde ein Münzkabinett errichtet, welches sich jedoch als ein sehr schwieriges und kostspieliges Unterfangen zeigte. Die Danziger Münzen sind als Geldanlagen außergewöhnlich begehrt, nur von kurzer Dauer auf dem numismatischen Markt und werden zu exorbitanten Geldsummen erstanden. Nach aktuellem Stand (Dezember 2016) befindet sich eine Gesamtanzahl von 5340 Objekten im Münzkabinett, davon sind 2500 Münzen vorhanden und nur 500 davon stammten aus der Danziger Münzprägestätte.

Aus diesem Grund wird Dr. Dipl. Ing. Tomasz Olkowski Sammlungen aufsuchen und umfangreiche Recherchearbeiten durchführen, um im Mai 2017 während der numismatischen Konferenz die gemeinsame Ergebinisse in Danzig zu präsentieren. Nach der Konferenz sollen auch weitere Museen in Westpreußen die Sammlung zeigen. Geplante Standorte sind bereits das Historische Museum der Stadt Danzig, das Schlossmuseum in Marienburg, das Historisch-Archäologische Museum in Elbing sowie der Numismatische Verein in Thorn. Der krönende Abschluss soll die Veröffentlichung des Sammlungskataloges in deutscher und polnischer Sprache bilden. Der Katalog soll neben den aus der Sammlung des Westpreußischen Landesmuseums auch die Beschreibung der Geldsysteme in Danzig sowie die Geschichte der Danziger Münzprägung beinhalten.



Deutsch-polnische Konferenz: Wilhelm August Stryowski – ein Danziger Maler,
Kustode, und Denkmalpfleger. Der Schutz des lokalen Erbes in Westpreußen seit 1850 bis 1914

Termin:           30. November 2017 bis 1. Dezember 2017
Nationalmuseum Danzig, Abteilung für Alte Kunst
Veranstalter:   Kulturreferentin für Westpreußen, Posener Land, Mittelpolen, Wolhynien und Galizien
Nationalmuseum Danzig

Wilhelm August Stryowski (1834-1917) war ein herausragender Danziger Maler, dessen Tätigkeit auch weit außerhalb des künstlerischen Bereichs lag. Er beteiligte sich an der Gründung und Eröffnung des Stadtmuseums in Danzig. Der Museumssitz war das frühere Franziskanerkloster. Stryowski bekleidete nahezu sein gesamtes Leben lang das Amtr des Kustoden und engagierte sich sehr für die Rettung, Erhaltung und Popularisierung des Danziger Erbes. Als typischer Vertreter des immer mehr aktiven und einflussreichen akademischen Künstlermilieus wollte er auch Kunstgegenstände sammeln und verfügte über sehr breites Wissen. Stryowski – ein anerkannter und beliebter Maler, war auch Dozent an der Königlichen Kunst- und Handwerksschule, deren Tradition bis in das Jahr 1803 zurückreicht.

Stryowskis Tätigkeitsfeld umfasste in erster Linie die Pflege und Rekonstruktion des lokalen kulturellen Erbes. Die zahlreichen Organisationen, Vereine und Brüderschaften, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden, trugen zur Lösung des Problems des Schutzes des Kulturerbes in Westpreußen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Anfang des Ersten Weltkrieges bei. Sie setzten sich für die Entstehung der Ausstellungen, den Schutz und die Untersuchungen der lokalen Denkmäler und Kunstwerke ein.

Diese Personen, die sich im 18. Jahrhundert in solchen Tätigkeitsbereichen engagierten, waren Amateure „dilettanti“ im positiven Sinne. Jene Künstler, die die Pflege- und Renovierungsarbeiten an den Denkmälern übernahmen, wurden hingegen als „Experten“ bezeichnet. Hier stellt sich die Frage, welche Rolle im breiten Spektrum der verschiedenen Renovierungs- und Pflegeaufgaben ein Maler, Bildhauer oder Architekt spielte, der in der alten Tradition erzogen wurde, die ihn auf den Sockel der hohen Kunst stellte. An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert viele Künstler jedoch sahen die pragmatischen Herausforderungen und Bedürfnisse der neuen Epoche voraus.

Die Tätigkeit der Wissenschaftler, die oft ihre eigenen finanziellen Mittel verwendeten, war in vielen Bereichen rudimentär: sie umfasste die archäologischen Untersuchungen mit Inventurtätigkeit, das Sammeln und Präsentieren der Artefakte, die Renovierung und Pflege der historischen architektonischen Objekte und schließlich die Veröffentlichung der Ergebnisse der beendeten Aktivitäten. Die Maler, Bildhauer und Künstler aus verschiedenen Bereichen waren Personen, die oft die Vereine der schönen Künste, die archäologischen Gesellschaften und die Denkmalpflegevereine initiierten. Ihre Mission war die Rettung des lokalen Erbes. Dieses Problem wurde erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts ernster genommen als zuvor und bald wurde gefordert, dass die Lösung dieses Problems als Priorität der Verwaltungstätigkeiten der Städte, Regionen und Staaten eingeräumt wird.

Wie bewerten wir heute die früheren Verwirklichungen sowohl in dem materiellen als auch ideologischen Bereich? Im Kontext der Bewertung der einheimischen „Altertümer“ im 19. Jahrhundert scheint die Frage der lokalen Identität und ihrer Krise und der Destruktion im nächsten Jahrhundert interessant zu sein. Welche Rolle spielten die Beschützer und Förderer des lokalen Kulturerbes bei der Schöpfung des Äquivalents dieser Werte angesichts der radikalen Änderungen der staatlichen, ethnischen und kulturellen Grenzen um das Jahr 1914?

2017 feiert Danzig den 100. Todestag von Wilhelm August Stryowski. Die anlässlich dazu geplante Konferenz soll dem Werk des Künstlers, Museologen, Pädagogen und Sammlers und seinem Einfluss auf die Museumsarbeit in Danzig, aber auch im deutschsprachigen Raum gewidmet werden.



Grenzübergreifende Projekte, Ausstellungen und Veranstaltungen zu „Luther 2017“

Die Reformation in Westpreußen und Großpolen
Januar bis Dezember 2017

Im Jahr 1540 reihte der berühmte Reformator Martin Luther das Königreich Polen unter die Länder ein, in denen „kein euangelium gepredigett wirdt“. Die Reformation lag hier, ähnlich wie im südlichen und westlichen Europa nicht im politischen Interesse der Obrigkeit. So war es der Reformation zu Lebzeiten Luther nicht gelungen, dort Fuß zu fassen. König Zygmunt I. vermochte reformatorische Bestrebungen mühelos im Keim zu ersticken. Nur in Westpreußen lagen die Dinge für ihn schwieriger. Trotz heftiger Verfolgungen konnte sich hier das Luthertum festsetzen. In Westpreußen, das 1466 zusammen mit dem Ermland im Frieden zu Thorn an Polen gefallen war, sorgte der deutsche Teil der Bevölkerung, insbesondere in den Städten Danzig, Thorn und Elbing für den Einbruch der Reformation. Das gelang umso leichter, weil die benachbarten Herzogtümer sich zu Luthers Werk bekannten. Der Herzog von Pommern hatte 1534 die Reformation eingeführt, 1539 folgte auch Kurbrandenburg. Dass diese Herzogtümer ihre weltliche Existenz als lutherisches Staatswesen begannen, ist für den Verlauf der Reformation in Westpreußen und Großpolen von außerordentlicher Bedeutung.

Im 16. Jahrhundert gehörte Fraustadt zu den Hochburgen des Protestantismus in Polen. Ihre wichtigsten Vertreter in Fraustadt waren die Pastoren Valerius Herberger (1562–1627) und Samuel Friedrich Lauterbach (1662–1728) und der Schriftsteller und Schulleiter Christian Gryphius (1649–1706). Als königliche Stadt unterstand sie einem königlich polnischen Starosten. Nach der lutherischen Familie von Gorka wurden nur noch Katholiken Starosten, die lutherische Kirche musste 1604 an die katholische Kirche zurückgegeben werden. Pastor Valerius Herberger erbaute daraufhin als neue Kirche das „Kripplein Christi“.

Im Rahmen des 2017 anstehenden Lutherjahres soll ein reger wissenschaftlicher Austausch zwischen dem Kulturreferat für Westpreußen, Posener Land, Mittelpolen, Wolhynien und Galizien und weiterer Institutionen wie dem Nationalmuseum der Stadt Danzig, dem historischen Museum der Stadt Danzig, dem Regionalmuseum Fraustadt/Wschowa und der Stadt Marienburg geben, bei denen in Zusammenarbeit Ausstellungen und weitere Projekte sowie Veranstaltungen sowohl in Deutschland als auch in Polen begleitend für 2017 realisiert werden sollen.



Ausstellung „Die Hauptstädte des großpolnischen Protestantismus“

Termin: 18. Mai 2017 bis 31. Dezember 2017

Die Ausstellung wird das protestantische Erbe von Fraustadt, Lissa, Schlichtingsheim und Schmiegel präsentieren. Es handelt sich hierbei um das Kultur- und Religionserbe der Lutheranergemeinschaften in den Städten Fraustadt, Lissa, Schlichtingsheim und Schmiegel, der Böhmischen Brüder und Calvinisten aus Lissa sowie der Arianer aus Schmiegel, die gemeinsamen Verbindungen und die Rolle, die sie in der Geschichte der Städte, der Region und Polens seit dem 16. Jahrhundert bis 1945 spielten. Diese Ausstellung wird nur eines der Projekte sein, die zu den Feierlichkeiten des Reformationsjubiläums geplant sind.

Das Fraustädter Land mit Fraustadt und Lissa als städtische Hauptzentren wurde seit dem 16. Jahrhundert ein Ort des sicheren Exils für viele Religionsemigranten. Die Vertreter der verschiedenen Nationen und Religionen fanden hier die Möglichkeit der Ansiedlung und konnten ihren Glauben in Einvernehmen mit ihrem Gewissen und ihren Ansichten pflegen. Während des Dreißigjähriges Krieges (1618-1648) und auch im 18. Jahrhundert wurden die Grenzgebiete Großpolens zu einem Asyl- und Zufluchtsort für die protestantischen Flüchtlinge, die sich in den Gütern des hiesigen Adels niederließen. Auf Anregung der Fraustädter Landräte Hieronim Radomicki und Wojciech Gajewski sowie Jan Jerzy Schlichting, Verwalter der Güter der Familie Leszczynski wurden in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts neue Städte gegründet: Nowe Miasto Wschowa (1633), Zaborowo (1644) und  Schlichtingsheim (1644). Diese Städte wurden ausschließlich von schlesischen Lutheranern bevölkert.

An der Südgrenze des Fraustädter Landes gab es Grenz- und Fluchtkirchen in den Orten Stare Drzewce, Wygnanczyce, Fraustadt (Kripplein-Christi) und Schlichtingsheim: sie waren ein religiöses Asyl für die schlesischen Protestanten. Diese Städte spielten eine besondere Rolle in der Geschichte des Protestantismus in Großpolen.

Fraustadt war bis zur Reformation ein starkes Religionszentrum, das mit dem Posener Bistum verbunden war. Seit 1552 unterlag die Stadt dem Prozess der Konfessionalisierung und das Luthertum wurde zum Hauptglauben der Fraustädter Bürger. Der neue Glaube stand den deutschsprachigen Einwohnern von Fraustadt sehr nah und erreichte schon bald die Nachbarländer. Nach dem Tod des katholischen Priesters Michael Tschepe ernannte der Stadtrat – gemäß dem geltenden Recht – den deutschen Pfarrer Joachim Weisshaupt aus Lemberg. Andreas Knobloch aus Lemberg hielt am 18. Mai 1555 den ersten feierlichen lutheranischen Gottesdienst. Den Lutheranern gehörten Güter, die zuvor im Besitz der katholischen Kirche waren, darunter einige Kirchen, Friedhöfe sowie eine Schule. Die Blüte des in Fraustadt erstreckte sich seit der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts und prägte alle Lebensbereiche der Stadt. Bis 1732 wurden die Ämter des Stadtrates ausschließlich von den protestantischen Bürgern bekleidet. Auch die Zunftleitung gehörte ihnen, sie beherrschten sogar den Handel. Valerius Herberger (1562-1627) war ein Fraustädter Bürger, Theologe, Dichter und Autor vieler Kirchenlieder. Er wurde der „kleine Luther“ oder der „polnische Luther“ genannt. Der altstädtische evangelische Friedhof aus dem Jahr 1609 und die lutheranische Kirche Kripplein-Christi von 1604 sind außergewöhnliche Denkmäler und zugleich dauerhafte Andenken an die lutheranische Vergangenheit von Fraustadt.

Schon seit Mitte des 16. Jahrhunderts kamen nach Lissa die Böhmischen Brüder, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Sie waren auf dem Weg in das Herzogtum Preußen. Während des Dreißigjährigen Krieges kam die zweite große Gruppe der tschechischen und mährischen Vertriebenen mit Jan Amos Komenski an der Spitze nach Lissa. Neben den Böhmischen Brüdern nahm die Familie Leszczynski die Protestanten aus den nahe gelegenen schlesischen Städten auf. Johann Heermann, ein hervorragender Barockdichter, verbrachte seine letzten Jahre in Lissa.

Schlichtingsheim ist ein typisches Städtchen, das in Großpolen an der Oder für die in Schlesien verfolgten Protestanten gegründet wurde. Stadtgründer war Jan Jerzy Schlichting, ein Anhänger des Calvinismus. Diese Kleinstadt war für die lutherische Bevölkerung jahrelang ein Ort, wo die schlesischen Protestanten zu den Gottesdiensten in die hiesigen Kirchen gingen.

Der Ort Schmiegel ist ein anderer Fall: Diese Stadt wurde nicht konfessionalisiert, denn hier lebten viele Jahrhunderte lang in relativer Harmonie Protestanten und Katholiken gemeinsam. Die Reformation wurde in Schmiegel ca. 1560 eingeführt. Während des Dreißigjährigen Kriegs ließen sich hier auch die lutheranischen Schlesier nieder. An der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert war das Städtchen ein wichtiges Zentrum des Arianismus.

Die erwähnten Zentren verbindet trotzt der vielen Unterschiede vor allem das gemeinsame Erbe: die literarischen Werke, die zahlreichen Denkmäler, die historischen Friedhöfe sowie die religiösen, beruflichen und familiären Beziehungen ihrer Einwohner.

Die Ausstellung soll in zwei Teilen in zwei Städten präsentiert werden und wird mit gemeinsamen Werbematerialien, Ausstellungsbroschüren und einem gemeinsamen Katalog begleitet. Die dazugehörigen Kulturveranstaltungen werden miteinander synchronisiert, sodass die interessierten Personen alle Veranstaltungen besuchen können.

Ziel der Ausstellung soll die Veranschaulichung der Rolle von Lissa, Fraustadt, Schlichtingsheim und Schmiegel in der Geschichte des Protestantismus in Polen und vor allem in Großpolen sowie der internationalen Verbindungen der hiesigen Protestanten sein. Die Ausstellung soll die Religionsgemeinschaften und ihre Geschichte in den verschiedenen Städten zeigen und sich auch mit den gemeinsamen Verbindungen, Abhängigkeiten und Konflikten und insbesondere mit ihrem Phänomen auseinandersetzen, das sich in der kulturellen Unterschiedlichkeit dieser Zentren im Vergleich mit den anderen Städten Großpolens widerspiegelt. Dort war der Protestantismus nur eine kurze Episode in ihrer Geschichte oder spielte keine Rolle. Ein wichtiges Element der Ausstellung wird die Antwort auf die Frage sein: Wieso war die Reformation ausgerechnet in diesen Zentren so erfolgreich?

Weitere Ziele der Ausstellungen sind die Erhöhung des Wissensniveaus über die Vergangenheit der vorgestellten Städte. Hiermit soll das Bewusstsein der Einwohner über die Außergewöhnlichkeit ihres Wohnorts soll gestärkt werden. Dabei soll das Augenmerk auf das erhaltene Kulturerbe in der Gestalt der Kirchen, der Friedhöfe und anderen Denkmälern im öffentlichen Raum sowie auf die literarischen Werke gerichtet werden. In Bezug auf die Ausstellungsbesucher von außerhalb soll das Interesse an das südlich-westliche Großpolen, dessen Geschichte und dessen materielles und geistiges Erbe der Einwohner von ganz Polen geweckt werden. Eine langfristige Folge kann der Anstieg des touristischen Angebotes sein, auch Gäste aus Deutschland und der Tschechischen Republik werden erwartet.

Ausstellungsstücke:

Objekte aus den eigenen Sammlungen des Museums des Fraustädter Landes
Objekte aus Sammlungen weiterer Institutionen:

Staatliches Archiv in Posen, Staatliches Archiv in Lissa, die Nationalmuseen in Posen und Breslau, die weiteren Museen in Breslau, Zielona Gora und Brzeg, die Bibliotheken der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Kornik und Danzig, die Universitätsbibliotheken in Posen, Breslau und Warschau

weitere Bibliotheken: Nationalbibliothek, die Bibliothek der Posener Gesellschaft der Wissenschaftsfreunde, die Raczynski-Bibliothek in Posen, die Städtische Öffentliche Bibliothek in Lissa

Objekte aus den Privatsammlungen von u.a. Marcin Blaszkowski und  Renate Sternel

Veranstalter:
Kulturreferat für Westpreußen, Posener Land, Mittelpolen, Wolhynien und Galizien, das Museum des Fraustädter Landes

Projektpartner:
Magdalena Oxfort M.A. (Kulturreferat für Westpreußen, Posener Land, Mittelpolen, Wolhynien und Galizien), das Internetportal Luter 2017, das Staatliche Archiv in Posen und in Zielona Gora sowie die Bibliothek der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Kornik

Ausstellungsort:
Museum des Fraustädter Landes.

Es handelt sich um eine einmalige Ausstellung, sie soll auch ganz Polen, Deutschland und die Tschechische Republik erreichen.

Medienpartner:
TVP Kultura, TVP3, Luter2017, die regionalen Medien: Gazeta Lubuska, radio Zachod, radio Merkury, zw.pl, Panorama Leszczynska

Ausstellungskoordinatoren:
Marta Malkus (Museum des Fraustädter Landes), Dariusz Czwojdrak (Museum des Fraustädter Landes)

Zielgruppe: generationsübergreifend

Ausstellungspädagogische Vermittlung:
Kinder:                        Spiele am Sonntag im Museum und Museumsunterricht

Jugendliche:                           Workshops („Die Protestantische Fraustadt“), Museumsunterricht, Vorträge, Führungen durch die Ausstellung

Erwachsene:                          Vorträge/Vorlesungen, „Seniorenakademie“, Spaziergänge, Workshops („Die Protestantische Fraustadt“, „Auf den Spuren der Böhmischer Brüder in Lissa“, „Die protestantischen Nekropolen“), Führung durch die Ausstellung

Zeitplan für die Ausführung:

Juni 2016 – Januar 2017:                  Recherchen in den Bibliotheken, Museen, Archiven.

Dezember 2016 – Januar 2017:        Unterschreiben der Ausleihverträge für die Exponate

Januar – März 2017:                          grafische Ausstellungsgestaltung, Entwurf der Plakate, Einladungen und Werbeflyer

Verfassen der Texte der Werbeflyer und der Ausstellungstafeln

Februar – April 2017:                         Anschaffung der Vitrinen, der Beleuchtung und der Ausstellungsinfrastruktur

April 2017:                                          Herstellung der Einladungen, Plakate, Werbeflyer, Werbematerialien

Herstellung der Ausstellungstafeln, Bodenaufkleber, und der Objektbeschriftungen

April 2017:                                          Verteilung der Einladungen, Plakate und Werbeflyer

April – Mai 2017:                                Ausstellungsaufbau

März – April 2017:                             Beginn der medialen Werbekampagne

18. Mai 2017: Ausstellungseröffnung in Fraustadt
feierliche Kranzniederlegung an der Gedenktafel von Valerius Herberger († 18.05.1627) am 390 Jahrestag seines Todes.
Kammerkonzert auf dem Friedhof, ökumenisches Gebet

20. Mai 2017: Museumsnacht mit Ausstellungsführung, Vortrag über die Reformation in Fraustadt, Besichtigung des Lapidariums
Vortrag über die protestantische Architektur in Polen

Juni 2017                                           Vortrag über die Edukationswege der Fraustädter Bürger und die Beziehungen zu Europa (Prof. B. Burda)

September 2017:                               15. Europäische Tage des Kulturerbes, Friedhofbesichtigung, Konzert an der Kripplein-Christi-Kirche

Dezember 2017:                                Finissage der Ausstellung mit Vortrag von Prof. Jan Harasimowicz

Finanzierungsquellen:

Eigene Mittel, Kulturreferat für Westpreußen, Posener Land, Mittelpolen, Wolhynien und Galizien, das polnische Ministerium für Kultur und Nationales Erbe, die Stiftung für die deutsch-polnische Zusammenarbeit, Bank Spoldzielczy



„SISTE VIATOR… Reisender bleib’ stehen...“

Termin:           18. Mai bis 21. Dezember 2017

In der Altstadt Fraustadts / Wschowas findet der Reisende einen evangelischen Friedhof, der 1609 gegründet wurde. Bis heute ist es eine der wichtigsten Ruhestätten in Polen. Von der Kirche Kripplein-Christi bis zum Gottesacker führt fast ein Kilometer langer Weg. Alle Lutheraner wurden gemeinsam in der berühmten Kirche gebettet, um würdig im Lapidarium ihre Ruhe Städte zu finden.

Der Fraustädter altstädtische Friedhof besitzt eine wichtige symbolische Bedeutung für die einstigen und jetzigen Bewohner der Stadt. Auf dem Friedhofsfeld liegen Zehntausende Bürger der Stadt – Gestalten ihrer leuchtenden Vergangenheit. Aus den von ihnen in Jahrhunderten geschaffenen materiellen und geistigen Werten ziehen die heutigen Bewohner Fraustadts ihren Nutzen. Heute schafft das Lapidarium eine außergewöhnliche Kulturstätte voller Harmonie der Religion und Kultur insgesamt. Die alten, heute schwer wiederzufindenden Baumarten und die außergewöhnliche pflanzliche Vielfalt umrunden mit den kleinen tierischen Besuchern, besonders den Eichhörnchen und den seltenen Vogelarten das Ensemble des Lapidariums. Die alten Grabsteine sind die heutigen Zeugen des damaligen Lebens in der königlichen Stadt von August III. Das Umsingen der alten Steine und der wunderschönen, nahezu poetischen Inschriften in einer so natürlichen Umgebung bezaubert jeden Besucher. Die Inschriften wechseln sich ab und sind unterschiedlich. Manchmal in lateinischer Sprache, manchmal sind sie auf Deutsch verfasst. Prachtvoll präsentiert und meisterhaft gemeißelt blieben sie erhalten und erzählen, wer die Stadt bewohnt und repräsentiert hat und wer sein Lebensschaffen hier hinterlassen hat. Dank dieser außergewöhnlichen Ruhestätte wissen wir, dass gerade hier alle Glaubensflüchtlinge herzlich willkommen waren. Hier fanden sie Obhut. Auf den Grabsteinen sind die Namen von Schlesiern, Ungarn, Deutschen und Polen zu lesen. Alle hier verbindet nur eines gemeinsam: eine Glaubensdiaspora. Unter den Gläubigen finden wir ausgezeichnete Theologen, Mediziner, Apotheker, geehrte Bürgermeister, Stifter der Kirche Kripplein Christi, aber auch andere Bürger der königlichen Stadt, darunter auch viele fromme Frauen. Trotz der gewaltigen Schäden in der Vergangenheit ist der materielle Bestand einer Kollektion von annähernd 200 Epitaphien erhalten geblieben. Sie bilden auch weiterhin eine unschätzbare Chronik der Stadt, reich an Informationen über ihre Geschichte.

Im Rahmen dieses Projektes zum Themenjahr „Luther 2017“ soll mit den Multiplikatoren die Geschichte des Lapidariums und der Kirche beleuchtet und öffentlich thematisiert werden. Auch die Geschichte der Glaubensflüchtlinge und deren Verfolgung soll für die heutigen Bewohner, für die Reisenden und Freunde der deutsch-polnischen Kulturgeschichte explizit untersucht werden. Gemeinsam werden die Lebensgeschichten ausgezeichneter Persönlichkeiten, berühmter Söhne von Fraustadt rekapituliert: des Pastors Valerius Herberger, des Musikers Melchior Teschnerez, des Mediziners Matthäus Vechnerz, des Pastors Lauterbach und vieler anderer.

Bereits im letzten Jahr wurden die erarbeiteten Ergebnisse des Forschungsprojektes auf einem internationalen Konservatorenforum in Fraustadt präsentiert, bei dem Konservatoren aus Deutschland und aus Polen teilgenommen haben. 2017 wird im Anschluss daran eine gemeinsame Publikation in Form eines Reiseführers mit Begleittexten zu den einzelnen Lapidarien erscheinen. Im Rahmen dieses Projektes werden zusätzliche Konzerte, Vorträge und Bildungsveranstaltungen stattfinden.

Dieses Projekt ist die Fortsetzung einer Kooperationsarbeit zum sechsten Jahr in Folge im Rahmen der Reihe „Luther 2017“.



„Evangelische Kirchen in Marienburg“.

Permanente Installierung der Ausstellung in Marienburg

1. Januar 2017 bis 31. Dezember 2017

Die Lehre von Martin Luther fand sehr schnell zahlreiche Anhänger in Marienburg und immer mehr Einwohner der Stadt an der Nogat konvertierten zum Protestantismus. Hier half nicht mal die entschiedene Haltung von König Sigismund I., der 1523 in einem Brief an den Stadtrat im Falle der Konvertierung zu protestantischer Religion mit strengen Strafen drohte. Die Stadträte aus Marienburg handelten 1526 nach dem Patronatsrecht und übergaben den Protestanten die Kapelle des heiligen Georg, die im südlichen Vorort lag. Dieses kleine Gotteshaus, das aus dem 14. Jahrhundert stammte, bildete einen Teil des Komplexes des Krankenhausgebäudes, welches dem ehemaligen Deutschen Orden gehörte. Die Leitung hierfür übernahm der Oberspittler. Die Kapelle des heiligen Georg wurde jedoch mehrfach zerstört. Die größte Zerstörung fand 1410 nach der Schlacht bei Tannenberg statt und während des Dreizehnjährigen Kriegs 1460. Im Jahr 1471 übergab König Kasimir das Patronat über das ruinöse Gotteshaus an den Stadtrat von Marienburg. Die Bedingung für die Übergabe war der Wiederaufbau. Der erste protestantische Prediger in Marienburg wurde 1520 der Danziger Jakub Knade. 1772 erlaubten die preußischen Machthaber die Tätigkeit von nur zwei Kirchen in Marienburg: der Evangelischen des heiligen Georgs und der katholischen des heiligen Apostels Johannes. Andere Konfessionen wie die Calvinisten und Mennoniten durften ihre Religion nicht öffentlich praktizieren. Bis ins Jahr 1798 gab es jedoch einen evangelischen Pfarrer, der vom Stadtrat für die polnischsprachige Bevölkerung eingestellt wurde. Anschließend wurde in Folge der voranschreitenden Germanisierung das Amt des polnischen Predigers aufgelöst. Nachdem man den Katholiken die Kirche des heiligen Johannes wegnahm, wurde deutlich, dass die preußischen Machthaber ausschließlich die deutschsprachige evangelische Religion sehen wollten. Die Entscheidungen, die nach der Niederlage der Preußen 1808 getroffen wurden, betrafen die Religionsverhältnisse im Staat. Sie blieben ohne wesentliche Veränderungen bis zum 20. Jahrhundert erhalten. Die neuen Machthaber in Marienburg hoben 1808 eine Reihe von Glaubensbeschränkungen und die privilegierte Stellung der Protestanten auf. In der Stadt zeigte man sich tolerant gegenüber von Baptisten, Mennoniten und Juden, sodass sich in der Kirche des heiligen Johannes die katholische Bevölkerung versammelte und die evangelischen Stadtbewohner traditionell in der Kirche des heiligen Georgs zusammenfanden. Dieser Zustand blieb lediglich bis 1945 erhalten.

Das Ziel dieses Projekts war die Erinnerung und die Vermittlung an die Geschichte der evangelischen Kirchen in Marienburg. Im Jahr 1945 wurde die Tätigkeit von vielen Kirchen in Marienburg beendet. Im Rahmen der Untersuchungen ist eine zweisprachige Ausstellung entstanden, die die Geschichte der evangelischen und baptistischen Gotteshäuser  vom Mittelalter bis 1945 zeigt und das Alltagsleben sowie die Entwicklung der St. Chrischona, der Mennoniten, der Heilsarmee und der Adventisten beleuchtet. Die Ausstellung wurde am 15. Juli 2016 im Jerusalem Hospital Marienburg / Malbork eröffnet und soll nun 2017 an der Mauer des ehemaligen protestantischen Friedhofes als Dauerausstellung permanent installiert werden und soll das gesamte Jahr 2017 dem Publikum in Marienburg / Malbork zugänglich sein.



Ein gemeinsames Projekt des Kulturreferates mit dem Kulturamt der Stadt Marienburg.

Ausstellung: Toleranz in Fraustadt und dessen Träger: „Der Fraustädter Zion“

Eröffnung:                              20. Mai 2017 im Lapidarium von Fraustadt / Wschowa

Autorinnen/Kuratorinnen:       Magdalena Oxfort M.A. und Marta Malkus M.A.

Schon in jungen Jahren besuchte Valerius Herberger (1562-1627), der in der gesamten protestantischen Welt als der "kleine Luther" gefeiert wird, die Lateinschule in Fraustadt, ehe er von 1572 bis 1584 Theologie in Frankfurt an der Oder und Leipzig studierte. Schon mit 21 Jahren wurde der berühmteste Söhnen Fraustadts / Wschowas in den Pfarrdienst seiner Heimatstadt berufen. Er war ein bekannter und beliebter Prediger und veröffentlichte mehrere Erbauungsschriften. Als er im Zuge der Gegenreformation 1604 das Kirchengebäude an die katholische Kirche zurückgeben musste, baute er zwei Häuser um zu einer Notkirche, die er folglich “Kripplein Christi” nannte. Diese war ein Ort der Toleranz und Akzeptanz, in dem Menschen verschiedenster Nationen und Herkunft, vor allem der Grenzregion Schlesien, beten kommen konnten, da sie in ihrer Heimat aufgrund ihres protestantischen Glaubens verfolgt wurden. Valerius Herberger bot ihnen in dem von ihm erbauten Gotteshaus Zuflucht. Während einer Pestepidemie um 1613, in der 2000 Menschen starben, tat Herberger treu seinen seelsorgerlichen Dienst. Aus dieser Zeit stammt sein Liedtext “Valet will ich dir geben”. Er wich den Kranken und Sterbenden nicht von der Seite und bestattete jeden persönlich, dieses Lied singend, das seinen Ruhm als Pestpfarrer von Fraustadt begründete.

Diese Wanderausstellung, bestehend aus 20 Tafeln, soll 2017 im Festjahr der Reformation die einzigartige Biografie Herbergers rekonstruieren und die Bedeutung seines Wirkens für Fraustadt in den Vordergrund stellen. Zudem soll aber nicht nur er geehrt werden, sondern auch viele seiner Zeitgenossen und Nachfolger, welche in gleicher Mission den Gedanken Herbergers fortgeführt haben. Ziel ist das Zusammentragen der neusten Untersuchungen zum Thema der Entwicklung und des Verlaufs der Reformation im ehemaligen Fraustädter Land und in seinem Grenzgebiet. Die Darstellung der Spezifik des ehemaligen Fraustädter Landes – eines historischen Gebiets, das zu einem sicheren Ort für die religiös Verfolgten wurde. Die Ausstellung soll zudem eine Visitenkarte von Fraustadt werden – einer Stadt mit reicher Geschichte. Es ist die erste bilinguale Freilichtausstellung im Museum Ziemi Wschowskiej / Museum der Stadt Fraustadt.
Die Wanderausstellung wurde von der Kulturreferentin initiiert, konzipiert und finanziell unterstützt.



Vortrag: Valerius Herberger – der „kleine Luther“ in Großpolen

Termin:            8. Dezember 2017, Regionalmuseum von Fraustadt / Wschowa

Referent:        Prof. Dr. Jan Harasimowicz, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Schon in jungen Jahren besuchte Valerius Herberger (1562-1627), der in der gesamten protestantischen Welt als der "kleine Luther" gefeiert wird, die Lateinschule in Fraustadt, ehe er von 1572 bis 1584 Theologie in Frankfurt an der Oder und Leipzig studierte. Schon mit 21 Jahren wurde der berühmteste Söhnen Fraustadts / Wschowas in den Pfarrdienst seiner Heimatstadt berufen. Er war ein bekannter und beliebter Prediger und veröffentlichte mehrere Erbauungsschriften. Als er im Zuge der Gegenreformation 1604 das Kirchengebäude an die katholische Kirche zurückgeben musste, baute er zwei Häuser um zu einer Notkirche, die er folglich “Kripplein Christi” nannte. Diese war ein Ort der Toleranz und Akzeptanz, in dem Menschen verschiedenster Nationen und Herkunft, vor allem der Grenzregion Schlesien, beten kommen konnten, da sie in ihrer Heimat aufgrund ihres protestantischen Glaubens verfolgt wurden. Valerius Herberger bot ihnen in dem von ihm erbauten Gotteshaus Zuflucht. Während einer Pestepidemie um 1613, in der 2000 Menschen starben, tat Herberger treu seinen seelsorgerlichen Dienst. Aus dieser Zeit stammt sein Liedtext “Valet will ich dir geben”. Er wich den Kranken und Sterbenden nicht von der Seite und bestattete jeden persönlich, dieses Lied singend, das seinen Ruhm als Pestpfarrer von Fraustadt begründete.

Prof. Dr. Jan Harasimowicz ist einer der führenden Kunsthistoriker Polens mit internationaler Reputation. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen einerseits auf dem Gebiet der Kunst- und Kulturgeschichte seiner Heimat Breslau (Wroclaw) und Schlesien, andererseits auf der Verbindung von Kunst-, Kirchen- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit. Das Verhältnis von Religion, Politik und (kirchlicher) Kunst hat Jan Harasimowicz in mehr als 100 Publikationen analysiert. Da sich seine wissenschaftlichen Arbeiten mit Gebieten beschäftigen, die in der Frühen Neuzeit nicht polnisch und katholisch, sondern deutsch und protestantisch geprägt waren, ist der sensible Umgang mit der politischen und ökumenischen Dimension in seiner Arbeit besonders hervorzuheben.

Jan Harasimowicz ist 1950 in Breslau geboren, studierte von 1968 bis 1975 Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität Breslau und ab 1978 Kunstgeschichte und der evangelischen Theologie an der Universität Zürich. Er wurde 1984 im Fach Kunstgeschichte promoviert zum Thema „Protestantische Kunst in Schlesien in den Jahren 1520-1650". Harasimowicz habilitierte sich 1991 zum Thema „Mors janua vitae. Schlesische Epitaphien und Grabmäler des Reformationsjahrhunderts". Seit 2003 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Kunstgeschichte der Renaissance und Reformation im Kunsthistorischen Institut der Universität Breslau.

Harasimowicz bekam zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2004 den Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen, 2005 das Goldene Verdienstkreuz der Republik Polen und 2007 den Ökumenischen Preis "Schlesischer Smaragd" der Evangelisch-Augsburgischen Diözese Kattowitz. 2010 erhielt er die Ehrendoktorwürde an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Dieser Vortrag schließt die Projekte und Veranstaltungen des Kulturreferates für das Themenjahr „Luther 2017“ feierlich ab. Ein gemeinsames Projekt des Kulturreferates mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, dem Regionalmuseum von Fraustadt / Wschowa.



Kooperationen mit Warendorfer Schulen und Bildungsinstitutionen

Eröffnung der Ausstellung „Krakau und Auschwitz“ im Mariengymnasium Warendorf

und Unterzeichnung eines Schulpartnerschaftsvertrages

Termin: 27. Januar 2017, 11.00 Uhr, Mariengymnasium Warendorf

Im Rahmen der 2016 vom Kulturreferat für Westpreußen, Posener Land, Mittelpolen, Wolhynien und Galizien organisierten Studienreise nach Krakau haben 14 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangstufe 11 des Mariengymnasiums Warendorf in Begleitung der Lehrerin Cordula Mense-Frerich und David Feldkämper die gemeinsame, deutsch-polnische Kultur erfahren und die Geschichte des „Königlichen Krakaus“ erlebt. Weitere Stationen waren die ehemalige Email-Fabrik von Oskar Schindler in Podgórze, dem ehemaligen Ghetto sowie die Konzentrationslager Auschwitz und Auwschwitz-Birkenau als emotionalste Höhepunkte der Reise.

Im Anschluss an die Reise haben die Schüler und Lehrer die gesammelten Eindrücke in einer Ausstellung umgesetzt, die im Dezember 2016 im Westpreußischen Landesmuseum gezeigt wurde. Dabei standen auch die Sehenswürdigkeiten Krakaus, die Geschichte des jüdischen Viertels Kazimierz wie auch die Sicht der Schüler auf den heutigen Umgang mit der Geschichte im Vordergrund der Präsentation.

Am 27. Januar 2017 soll die Ausstellung in den Räumlichkeiten des Mariengymnasiums Warendorf eröffnet werden. Zugleich soll auch ein Schulpartnerschaftsvertrag zwischen dem Mariengymnasium, dem Westpreußischen Landesmuseum und dem Kulturreferat feierlich unterzeichnet werden, der weitere Projekte der drei Institutionen für die Zukunft voranbringen soll.



Erneute Durchführung der Studienfahrt nach Krakau/Auschwitz in Kooperation mit dem
Mariengymnasium Warendorf im Rahmen eines Projektkurses

5. September bis 9. September 2017

Die in Kooperation mit dem Mariengymnasium Warendorf vom 30.08.2016 bis zum 03.09.2016 organisierten Studienreise nach Krakau und Auschwitz hat bei allen Beteiligten eine sehr positive Resonanz hervorgerufen. 14 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangstufe 11 des Mariengymnasiums Warendorf haben im Rahmen dieser Fahrt in Begleitung der Lehrpersonen Cordula Mense-Frerich und David Feldkämper die gemeinsame, deutsch-polnische Kultur erfahren und die Geschichte des „Königlichen Krakaus“ erlebt. Weitere Stationen waren die ehemalige Email-Fabrik von Oskar Schindler in Podgórze, das ehemalige Ghetto sowie die Konzentrationslager Auschwitz und Auschwitz-Birkenau als emotionale Höhepunkte der Reise. Im Anschluss an die Reise setzten die Schüler und Lehrer die gesammelten Eindrücke in einer Ausstellung um. Dabei standen die Sehenswürdigkeiten Krakaus, die Geschichte des jüdischen Viertels Kazimierz und das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz im Vordergrund und zeigten die Sicht der Schüler auf den heutigen Umgang mit der Geschichte. Aufbauend auf den positiven Erfahrungen mit der Studienfahrt in Verbindung mit einer AG soll die Studienfahrt im Schuljahr 2017/2018 als Bestandteil eines Projektkurses als anspruchsvolles Angebot für historisch interessierte Schülerinnen und Schüler am Mariengymnasium etabliert werden.

Der Projektkurs wird in der Qualifikationsphase (Q1) in zwei aufeinander folgenden Halbjahren als zweistündiger Kurs angeboten und ist an Referenzfächer (die als Leistungskurs oder Grundkurs belegt sein müssen) angebunden, in diesem Fall Geschichte, Sozialwissenschaften oder Deutsch. Er wird von den Schülerinnen und Schülern zusätzlich zu den verpflichtenden Kursen gewählt. Er eröffnet in diesem Fall historisch und gesellschaftswissenschaftlich besonders interessierten und qualifizierten Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich im Rahmen einer Begabungsförderung mit der Geschichte Deutschlands und Polens auseinanderzusetzen und im Rahmen der Abiturprüfung eine „besondere Lernleistung“ zu erbringen, die einen Exzellenzanspruch erfüllen soll. Er ermöglicht vertieftes wissenschaftspropädeutisches Arbeiten an thematischen Schwerpunkten und setzt in der Einführungsphase erworbene Grundlagenkenntnisse sowie einen vorausgehenden oder begleitenden Fachunterricht in der Qualifikationsphase voraus. Da es bei einem Projektkurs keine Bindung an inhaltliche Vorgaben der Lehrpläne gibt, eröffnet er durch Fokussierung auf einen thematischen Schwerpunkt Raum für selbstständige Recherche und Planung, eigenverantwortliche Arbeit im Team und adressatenbezogene Dokumentation der Arbeitsergebnisse, die zur Auseinandersetzung mit der Thematik einlädt. (Den Orientierungsrahmen für die Gestaltung der Projektkurse bildet die Verordnung über den Bildungsgang und die Abiturprüfung (APO-GOSt) in den Paragraphen 11, 14, 17 und 28.)
Der Projektkurs ist so angelegt, dass sich die Teilnehmer – bezogen auf das Rahmenthema des Projektkurses – einzeln oder im Team individuellen Vorhaben im Rahmen der deutsch-polnischen Geschichte und Kultur und des Holocausts widmen, die im Kurs abgestimmt, dann aber weitgehend selbstständig geplant und bearbeitet werden sollen. Der Projektkurs führt immer zu einem Produkt, das, bei aller Vielfalt der Einzelproduktionen, den thematischen Zusammenhang der Einzelbeiträge augenfällig macht. Das heißt, dass ein Projektkurs, der mit einer Fahrt nach Krakau und Auschwitz verbunden ist, für die Schülerinnen und Schüler nicht nur die Vorbereitung und Durchführung einer Ausstellung bedeutet, sondern es wird von ihnen verlangt, dass sie neben der Reflexion der Fahrt ein eigenständiges Projekt möglichst mit regionalem Bezug realisieren. Im Rahmen ihrer Arbeit begeben sie sich auf Spurensuche zu einem von ihnen selbst ausgesuchten Thema, indem sie z.B. die Geschichte eines in Auschwitz Inhaftieren oder Verfolgten recherchieren und dokumentieren. Dabei nutzen die Schülerinnen und Schüler die Angebote des Westpreußischen Landesmuseums und des Kreisarchivs Warendorf vor Ort sowie Angebote anderer Institutionen und Archive unter der Unterstützung des Kulturreferates und des Westpreußischen Landesmuseums. Zunächst erhalten die Schülerinnen und Schüler durch die Kulturreferentin im Westpreußischen Landesmuseum eine Einführung in die Geschichte und Kultur der „Königlichen Stadt Krakau“ und in die Geschichte, die Deutschland und Polen miteinander verbindet. Außerdem findet in der Schule eine Einführung in die Geschichte des Holocausts (u.a. durch die Auseinandersetzung mit dem Auschwitz-Album und durch ein Zeitzeugengespräch) statt. Die Studienfahrt bildet dann den eigentlichen Auftakt des Projektkurses. Nach der Reflexion und Dokumentation der Erfahrungen beginnt die Projektarbeit der Schülerinnen und Schüler.

Das hier vorgestellte Projekt bezieht den Ansatz der Gedenkstättenpädagogik mit ein, die eine Anknüpfung an die (regional spezifische) deutsche und polnische Geschichte ermöglicht und vor Ort anschaulich politische und historische Zusammenhänge herstellt und dabei helfen soll, das schwer Begreifbare ansatzweise verstehen zu lernen. Dies ist gerade im Zusammenhang mit dem 25jährigen Bestehen der deutsch-polnischen Freundschaft ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Verankerung dieses Bewusstseins bei den Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern und wird im Westpreußischen Landesmuseum vom Kulturreferat Westpreußen nachhaltig unterstützt. Mit diesem Projekt soll gemeinsam mit dem Mariengymnasium fortlaufend eine Erinnerungskultur etabliert werden, die der Forderung Theodor W. Adornos nachkommt, dass politischer Unterricht darauf ausgerichtet sein solle, dass Auschwitz sich nicht wiederholen dürfe. Dies ist als Aufforderung zu verstehen, Auschwitz nicht nur als Synonym für den Massenmord an den europäischen Juden zu begreifen, sondern auch als Auftrag, dafür Sorge zu tragen, dass menschenverachtende Ausgrenzung und Entrechtung nie wieder politisch toleriert werden.

Dieses Projekt wird ein weiteres Mal vom Kulturreferat begleitet. Anschließend soll es dauerhaft in die Abitur-Inhalte des Mariengymnasiums integriert werden.



Vorträge und Workshops mit den Q1-Kursen des Mariengymnasiums im Rahmen der

Studienreise nach Krakau

In Vorbereitung auf die stattfindende Studienreise nach Krakau und Auschwitz werden im Westpreußischen Landesmuseum zwei Vorträge und ein Workshop für die Stufe Q1 des Mariengymnasiums und insbesondere für die Kunst-, Geschichts- und Politikkurse der Schule zum Hauptthema „Gemeinsam, Nebeneinander und Miteinander stattfinden.



„Unbekannte Nachbarn“

Termin:           5. September 2017, 11.00 Uhr, Wawelburg in Krakau

Referentin:      Magdalena Oxfort M.A.

Im Rahmen dieses Vortrags werde ich als Kulturreferentin für Westpreußen, Posener Land, Mittelpolen, Wolhynien und Galizien den Schülern von meiner Arbeit im Kulturbereich erzählen und über meine Erfahrungen berichten, die ich über die Jahre gesammelt habe. Wie war das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen im Verlauf der Jahrzehnte aus der historischen Sicht betrachtet und seit wann konnte eine Annäherung beider Staaten beobachtet werden? Welche tiefgreifenden, geschichtlichen Ereignisse haben dazu beigetragen, das jeweilige Nachbarland kritisch und vor allem mit Vorurteilen zu betrachten und wie hat sich diese Tatsache mit den Jahren durch grenzübergreifende, kulturelle Ereignisse aber auch eben durch gemeinsame kulturelle Breitenarbeit und Jugendbildung verändern können?

Während dieser Präsentation werde ich den Schülern mithilfe fotografischen und audiovisuellen Beiträgen die spannende Beziehung der zwei Nachbarn im historischen, politischen und soziokulturellen Kontext zeigen.



Königliches Krakau. Vorbereitender Vortrag zur Studienreise vom 5. bis

9.September 2017 nach Krakau und Auschwitz

Termin:           6. September 2017, 18.00 Uhr, Krakau

Referentin:      Magdalena Oxfort M.A.

Krakau ist eine außergewöhnliche Stadt in Polen, da sie die umfangreiche und lange Geschichte des Landes widerspiegelt, aber auch das moderne Polen zeigt. Nicht umsonst wird Krakau auch „die heimliche Hauptstadt“ genannt. Magdalena Oxfort wird anhand eines einführenden Vortrags die Entstehungsgeschichte Krakaus, ihre Entwicklung und die politischen Umstrukturierungen im Verlauf der Jahrhunderte skizzieren. Dabei werden wichtige historische Themen wie das Schicksal der jüdischen Bevölkerung und auch der soziokulturelle Wandel zentrale Punkte als Vorbereitung für die geplante Studienreise sein.

Einen weiteren wichtigen Aspekt dieser Präsentation werden die Kunst- und Kulturdenkmäler der Stadt bilden. Die gotische Marienkirche zählt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten am Krakauer Marktplatz. Das wertvollste Kunstwerk in ihrem Inneren ist der vom Nürnberger Meister Veit Stoß geschnitzte Lindenholz-Altar, der größte Europas. Im Zentrum des Marktes liegen außerdem die Tuchhallen. Der zweigeschossige Renaissancebau aus dem 16. Jahrhundert wurde später um neogotische Elemente ergänzt. In den Krämerläden im Erdgeschoss werden Andenken und Kunsthandwerk verkauft. Im Obergeschoss befindet sich die Galerie Polnischer Malerei des Krakauer Nationalmuseums.

Eine der schönsten Straßen der Altstadt, die Floriańska, führt vom Marktplatz zum Florianstor, das seit dem Jahr 1307 den Zugang zur Stadt bildet. Nur wenige Straßen weiter liegt das älteste Gebäude der 1346 gegründeten Krakauer Universität, das Collegium Maius. Es wurde Ende des 15. Jahrhunderts um einen schönen Arkadenhof angelegt. Oberhalb der Weichsel, am südlichen Ende der Altstadt, erhebt sich der Wawel-Hügel. Bereits um das Jahr 1000 gab es dort die erste Kathedrale. Vom Wawelschloss regierten die polnischen Könige 500 Jahre lang das Land. Es entstand in seiner heutigen Form Anfang des 16. Jahrhunderts im Stil eines italienischen Palazzo. Herzstück ist der fünfeckige Innenhof mit dreistöckigen Arkadengängen. Im Schloss sind die Repräsentationsräume, der Kronschatz, die Rüstkammer, eine Sammlung orientalischer Kunst und eine berühmte Sammlung flandrischer Wandteppiche zu besichtigen. Wichtigstes Ausstellungsstück im Kronsaal ist das goldene Schwert, mit dem sich ab 1320 die polnischen Herrscher zum König schlagen ließen.

 

Beauftragter fuer Kultur und Medien